Tradition
Die Kluft - des
Zimmermanns feine Kleider
Zu einem richtig zünftigen Zimmerer gehört natürlich auch die
passende Kleidung, Kluft genannt. Auch diese Kluft ist bestimmten Regeln
unterworfen, welche hier erklärt werden. Die Kluft sollte immer in Ordnung
gehalten werden! Außer der Kleidung gibt es für den zünftigen
Gesellen auch Zunftschmuck besonderer Art. Dieser ist zwar kein Muss, sieht aber
trotzdem schick aus. Einige Teiler seiner Kluft werden nur auf der Walz getragen.
Um Erfahrungen im Zimmererhandwerk zu sammeln gingen und gehen manche Zimmerer
Gesellen nach Abschluss der Gesellenprüfung durchs Land und arbeiten bei
vielen Betrieben für einen kurze Zeit. Entlohnt wird er nur mit Kost
und Logie.
Der Hut. Bei dem wichtigsten Erkennungsmerkmal
,dem Hut, handelt es sich um einen Schlapphut, mit einer breiten
Krempe. Vor dem 1.Weltkrieg soll er nicht selten mit einem Durchmesser von 50
cm getragen worden sein. Anzutreffen sind auch topfförmige Melonen
(früher Schauwerker genannt) oder der Hamburger Zylinderhut, sowie der mit
Seidenstoff bespannte Spinnt. Der Geselle wurde zu Beginn seiner
Wanderschaft frei gesprochen, darauf erhielt er seinen Hut.
Die Staude. Bei der Staude handelt es sich um ein
kragenloses, weißes Hemd.
Die Weste. Über dem Hemd wird die Samt- oder
Manchesterweste getragen. Sie ist mit Perlmuttknöpfen besetzt. Die
Perlmuttknöpfe müssen so angenäht werden, dass das Garn den
Buchstaben Z bildet. An der Weste befinden sich 8 Knöpfe.
Die Jacke. Passend zur Weste folgt die Samt- oder
Manchesterjacke, ebenfalls mit Perlmuttknöpfen besetzt ist. Hier
dürfen es aber nur 6 Knöpfe sein!
Die Hose. Auch die Hose besteht aus Samt-(Cord-)
oder Manchesterstoff. Richtig zünftig ist die Hose nur dann, wenn sie
mindestens einen Schlag von 65 cm am Hosenbein vorweisen kann. Der Schlag
verdeckt die Schuhe die immer schwarz sind. Der Schlag dient auch als Schutz vor
Hobelspänen.
Die Ehrbarkeit. Ganz besonders wichtig ist die
Ehrbarkeit, bei der es sich um ein krawattenähnliches Stück Stoff
handelt, welches verschiedene Farben haben kann und mit einem
Handwerkswappen (eine Stecknadel) am Hemd befestigt wird.
Der Ohrring. Jeder Geselle auf Wanderschaft
trägt im linken Ohr einen Ohrring. Der Ohrring enthält neben dem
Handwerkswappen noch einen sechszackigen Stern.
Die
Zunftuhrkette. An der Zunftuhrkette befinden sich Wappen der
Städte, in denen der Geselle gearbeitet hat.
Der Stenz. Der Wanderstab der Handwerksgesellen. Er
wächst in der Natur, mit einer Schlingpflanze umwunden.
Der Charlottenburger. Ein Tuch von ca. 80 mal 80
cm. Der Fremdgeschriebene trägt seinen ganzen persönlichen Besitz in
diesem Tuch eingeschnürt bei sich. Das Tuch ist mit Werbung aller Art
versehen. Im Charlottenburger, der auch Charlie genannt wird, sind Werkzeuge,
Arbeitssachen, Wäsche und Stauden kunstvoll zusammengeschnürt. Mit
einem Gewicht von bis zu 25 Kilo hat er die Form eines großen Brotes.
Mittendurch geht die Wasserwaage oder der Steg der Handsäge. Daran befestigt
man den Tragriemen.
© by S.Göttken 2011