der Beruf des Zimmermanns


Das Zimmererhandwerk zählt ohne Zweifel mit zu den ältesten handwerksmäßig ausgeübten Berufen. Das “Bauen in Holz” ist so alt, wie die Menschheit selbst. Der Bau menschlicher Behausungen ging natürlich einst nach primitivsten Grundsätzen vor sich, die Menschen waren damals mehr oder weniger ihre eigenen Zimmerleute. Wann und wo sich erstmals Zimmerleute berufsmäßig herausbildeten, ist nicht bekannt. Vorstellbar ist, dass sich mit der Entwicklung der Wohnkultur in menschlichen Gemeinschaftssiedlungen dazu besonders veranlagte und begabte Menschen ihren übrigen Mitmenschen beim Bau ihrer Wohnung zur Verfügung gestellt haben. Aus diesen Verhältnissen heraus ist dann das Zimmererhandwerk entstanden. Allerdings darf man die vorzeitlichen Zimmerleute den heutigen nicht gleichstellen. Viele Jahrhunderte waren nötig, bis sich das “Volk der Zimmerleute” auf eine gewisse Höhe seines Könnens herangebildet hatte.

Eine hohe künstlerische Stufe erreicht das Zimmerhandwerk besonders im 16. und 17. Jahrhundert. Dieses war zwar noch die Zeit, in der die Holzkonstruktionen durchweg kräftig gehalten, meistens sogar zu stark ausgewählt wurden. Heute noch haben wir große Freude an den schön gegliederten Fachwerkkonstruktionen aus jener Zeit. Dennoch bleibt es uns nicht verborgen, dass alte Fachwerkbauten z.T. große konstruktive Mängel und Fehler aufweisen, die auf den Mangel an theoretischer Kenntnisse in der Statik und der Festigkeitslehre zurückzuführen sind. Kenntnisse, die es heute ermöglichen, den Werkstoff Holz in ganz anderer Weise auszunutzen.

Heute geht die Tendenz dahin, dass die Bauherren alles aus einer Hand haben wollen. Die einzelnen Gewerke werden oft zusammengefasst. Leider ist hierbei für den unwissenden Bauherrn nur noch der Endpreis wichtig. Ohne einen Fachkundigen (Bauleiter, Architekt o.ä.) ist es einem Laien fast nicht möglich (bei vielen unterschiedlichen Positionen und Alternativprodukten)  Angebote von mehreren Handwerkern zu vergleichen. Das kann man genauso wenig vegleichen wie Äpfel mit Birnen. Bei dem heutigen knappen Baubudget sind auch die Richtfeste sehr selten geworden.            Seine Faszination hat der Zimmermann bei den Bauherren scheinbar verloren.

Heute ist der Zimmerer Beruf ein deutlich abgespeckter Beruf als früher. Aus dem Zimmerer Handwerk haben sich andere Berufe entwickelt (z.B. Betonbauer ). Viele Berufe im heutigen Handwerk überschneiden sich. Wo früher die Zimmerleute die Dachgauben in Altbauten erstellt haben, fertigen heute Dachdecker die Gauben, obwohl Ihnen das statische Wissen fehlt und sie anders geschult sind als die Zimmerleute.


In der Ausbildung findet eine Belehrung statt, in der der Geselle und Zimmermeister seine Erfahrungen, Tipps und Tricks an den Azubi weitergeben. Die Ausbildungszeit beträgt drei Jahre. Die Berufschule dient als theoretische Unterweisung. Der heutige Blockunterricht wird über mehrere Wochen zu Blöcken zusammengefasst, die die theoretischen Fachkenntnisse  vertiefen sollen, nicht wie früher zwei mal wöchentlich.

Des weiteren werden in Handwerksberufen die praktischen Fertigkeiten in einer Lehrwerkstatt vertieft. Hier lernt der Azubi auch traditionelle Holzverbindungen und Schiftungen, die heute überwiegend mit Eisenformteilen und Computern kostengünstiger herzustellen sind. Der Lehrling wird im Laufe seiner Berufsausbildung eine Zwischenprüfung absolvieren. Nach drei Jahren Lehrzeit wird die Berufsausbildung mit der Gesellenprüfung abgeschlossen. Der Azubi wird dann mit dem Gesellenbrief ausgezeichnet.


Als Voraussetzungen sollte ein zukünftiger Zimmerer Fähigkeiten wie handwerkliches Geschick, räumliches Vorstellungsvermögen und technisches Verständnis mitbringen. Zimmerer arbeiten fast ausschließlich gemeinsam, hohe Teamfähigkeit ist notwendig, aber auch hohe Eigenverantwortung. Zimmererarbeit ist körperliche Schwerstarbeit, das Arbeitsumfeld umfasst Umgang mit schweren Baustoffen (Schweres Heben und Tragen) und Maschinen, und die Außenarbeit und Wetterausgesetztheit (Hitzebelastung, Kältebelastung, Nässebelastung), sowie Höhenarbeit. Wie die meisten Bauberufe ist die Schmutzbelastung, Staubbelastung, Lärmbelastung, und die erhöhte Verletzungsgefahr extrem groß, darum sollte robuste Gesundheit und körperliche Belastbarkeit, Körperkraft und Beweglichkeit, Schwindelfreiheit und Trittsicherheit vorhanden sein. 

Eines ist sicher: auch in vielen Jahren geht es im Zimmerer Beruf nicht ohne den Zimmermann. Erleichterung gibt es beim Zuschnitt, dem sog. Abbund, durch computergestützte vollautomatische Abbundanlagen (z.B. Hundegger K2). Es gibt Fortbildunsgmöglichkeiten zum Zimmermeister, Restaurator im Zimmererhandwerk, Holztechniker, Bautechniker oder Polier. Jeder interressierte Zimmermann kann darüber hinaus seine theoretische Fachkenntnisse ständig erweitern. Zahlreiche Messen und Zeitschriften bieten dazu Möglichkeiten. Die dreijährige Lehrzeitzeit genügt nicht, um sich in allen Gebieten der Holzbaukunst zurecht zu finden. Die Technik schreitet auch im traditionellen Handwerk weiter voran. Um immer auf dem neuesten Stand zu sein und um auch aktuelle oder kommende Trends im Holzbau zu erkennen, sollte der Zimmermann sich ständig weiter informieren.   

Jeder Zimmermann muss sich bemühen noch in den älteren Jahren,  ja überhaupt das ganze Leben lang, ein “ Lehrling” zu bleiben, aufgeschlossen zu sein für das neue und das gute alte hochzuhalten und immer weiter zu verbessern!


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